HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN

Philosophische Fakultät III
Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften
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1) Gab es Lehrbücher ( z. Bsp. Rhythmus- oder Harmonielehre), auf deren
Studium Ihre Improvisationspraxis aufbaut?

ich bin 1937 geb. fing an 1945, nachdem ich Louis Armstrong gehört, und später "live" gesehen und gehört habe, von den unglaublichen Möglichkeiten der Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz Gebrauch zu machen.

Ich spielte bereits, so schlecht und recht, piano,Accordeon, Blockflöte
erlernte dann die Klarinette und das Vibraphone und später die Saxophone.
Also erst klassische und Folklore Musik, und je mehr ich die Instrumente erlernte ( erst durch klassische Lehrer, dann örtliche Jazzmusiker...
Lehrbücher gab es keine. Unsere Lehrbücher, und da hat sich im Prinziep trotz all der Lehrbücher die es heute gibt, nichts geändert waren die LPs,heute CDs etc. die DOKUMENTATIONEN  der bedeutenden,stilbildenden Musiker.
D.h. wir erlernten das Improvisieren, indem wir uns die Kompositionen von den Platten abhörten, sie aufschrieben (notierten) und dann eben die Improvisationen nachspielten, bis wir den Dreh raushatten, Harmonische Erweiterungen, Substitutions-Akkorden
mehr darüber auf meiner website : www.gunterhampelmusic.de


2) Welche Musikerinnen/Musiker faszinierten Sie als Sie anfingen, sich
mit Improvisation zu beschäftigen?

Louis Armstrong, Jimmy Noone,Johnny Dodds, Benny Goodman,Lionel Hampton,Terry Gibbs, Milt Jackson,Horace Silver,Thelonius Monk,Charly Parker, Charles Mingus, Duke Ellington,Gerry Mulligan, Paul Desmond,Max Roach,etc.etc.etc......


3) Worauf greifen Sie zurück, wenn eine Improvisation einmal schlecht läuft?

Auf meine Kompositionen.


4) Lässt sich Improvisieren nach Ihrer Meinung erlernen?

Improvisieren kann und tut jeder im täglichen Ablauf, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Natürlich kann man dazu lernen. Muss man sogar.


5) Nach welchen Vorlagen improvisieren Sie:
a) vollkommen frei, b) nach Akkordsymbolen, c) Graphik, d) andere?


Improvisieren ist NICHT, wie allgemein heutzutage praktiziert wird, eine Ansammlung von licks ( Phrasen der Vorbilder und andere Vorlagen) sondern muss vom Herzen kommen.D.h. das eigene Leben, das was mit mir passiert und das was ich in meinem Leben initiiere ist der Innere Antrieb etwas auszusagen.
Ich berichte in meinen Improvisationen, was in und aus und neben und durch mich hindurch passiert. Es ist eine spirituelle Musik, kein Wiederkauen von Erlerntem.
Aber heute wird das von sehr wenigen übehaupt wahrgenommen.
Eben war ein sehr erfolgreicher Trompeter im Radio ( ich bin gerade in New York) er klingt wie Miles Davis, obwohl er meint, das habe er schon längst hinter sich gelassen.Nun habe er Freddy Hubbrad entdeckt, gestern wars Lee Morgan, und seit ein paar Stunden ist es Chet Baker. Er habe auch schon im Chet Baker Sinne einneues Stück geschrieben und seiner Freundin gewidmet, aber sie fan es zu traurig, weil es nicht zu seinem Wesen passt.
Bedenkenlos wird unausgegorenes ,chlichiertes, dem Publikum vorgesetzt, und alles viel zu schnell und technisch, eben Hochschulhaftes übereilt als Improvisation ausgegeben..Maschinen...

Natürlich hat sich vieles in meiner Musik geändert.
zum 1.Persönliche Entwicklung, reifer werden, und immer dazulernen.
Ich habe 196o angefangen, die Konsequenzen in meinem Leben unter die lupe zu nehmen und meine eigene Musik zu entwickeln.
Ich habe einer der ersten sogenannten Free-Jazz LPs aufgenommen
(Heartplants-Gunter Hampel Quintet, mit Manfred Schoof, Alex v Schlippenbach,Poierre Courbois, Buschie Niebergall - MPS-SABA)
siehe meine website (www.gunterhampelmusic.de)
d.h.aus meiner eigenen heritage, der europäischen sogenannten moderne und auch klassik, eben meinen eigenen Wurzeln, eine Musik entworfen und entwickelt, die fälschlicherweise als FREE JAZZ bezeichnet wird, wo doch alle Welt denkt, Free Jazz ist, da spielt jeder was er will
Mein Stoff ist die teamhafte, Formation, eine Gruppe, die aufeinander hört
und wo im Wechselspiel musikalische Ideen ausgetauischt und zusammengeworfen werden, Kollektiv aussagen, die aber nur dann möglich sind, wenn einer auf den anderen Hört und nicht nur sich selbst reintut.
Da fängt das Improvisieren überhaupt erst an, auch Spass zu macfhen und ein Teil unseres/meines Lebens zu sein.
Ich spiele heute " the music of Gunter Hamnpel
weil es eine persönliche und kollektive , immer sich erneuernde Aussage ist..


6) Wenn sich Ihre Improvisationen über den Zeitraum von mehreren Jahren
verändert haben, wie würden Sie die Veränderung beschreiben?


Auf Grund meiner persönlichen Entwicklung, verändert sich auch meine Musik, aus den Erfahrungen meines Lebens und dem was ich dazu lerne, weil ich mir dieses Lernen Wollen erhalten habe.


7) Kommentare

ich freue mich, dass Sie diese Studien machen, aber innerhalb eines Fragebogens bleiben natürlich viele Fragen ungenügend beantwortet.
Ein Essay oder Vortrag würde mehr Aufschluss geben.
Wenn ich richtig informiert bin, werde ich mit meinem TRIO + Prince Alegs im Oktober in Berlin auftreten.
Wen Interesse besteht, gebe ich Ihnen dann diesen Termin durch.
Ansonsten könnte auch mein Vortrag eine Studie für Sie sein, aber die Dokumentation ist noch in Arbeit.....
weitere INFIOs www.gunterhampelmusic.de


Hallo
ich habe im Februar an der Universität Göttingen über diese und ähnliche Fragen einen Vortrag gehalten und diesen mit bEISPIELN, "LIVE" MIT MEINEm TRIO + Tänzer erweitert.
Dieser Vortrag, aus Anlass eines Symposiums der UNI war so erfolgreich, dass die UNI den Vortrag in Wort (Script) und Bild (Video) dokumentieren will, ich selbst arbeite an einer ebensolchen Dokumentation.
Ein weiterer, ähnlicher Vortrag lauft am 18.Oktober am JazzInstitut Darmstadt....
Falls an Ihrer Uni Interesse herrscht, halte ich gerne diesen und ähnliche Vortrage......
beste Grüsse aus New York
GuntHampel@aol.com