Wer Gunter Hampel begegnet, dem fallen seine neugierigen Augen, seine offene Umgangsart und seine jugendliche Ausstrahlung auf.
Dieser Jazzmusiker wirkt zeitlos jung. Und wenn er auf dem Vibrafon improvisiert, die Bassklarinette oder Flöte spielt, zählt nur noch eines: der Augenblick, das Jetzt.
Der weltweit geachtete Göttinger Musiker feiert am Sonnabend, den 31. August in New York seinen 65. Geburtstag.
Jazz als lebensaufgabe
Hampel wird am 31. August 1937 als Sohn einer Göttinger Dachdeckerfamilie geboren. Seine erste Begegnung mit dem Jazz hat er als Achtjähriger. Mit dem Kriegsende 1945 ziehen schwarzen GIs und der afroamerikanische Jazz in Göttingen ein. Jazz soll seine Lebensaufgabe werden. Seine erste Band hat er mit 16 Jahren. In den darauf folgenden Jahren durchspielt er die Jazzgeschichte: Oldtime und Swing, Bebop und Cool-Jazz und schließlich Hardbop und Modern Jazz. Mit 21 wird er Profimusiker und spielt Monatsengagements in ganz Deutschland.
Der Multiinstrumentalist gründet 1964 das "Gunter Hampel Quintett". Gleich mit seiner ersten LP "Heartplants" schreibt er Jazzgeschichte als einer der ersten Vertreter eines europäischen Jazz. Er tourt weltweit, nimmt New York als zweiten Wohnsitz und gründet dort die "Galaxie Dream Band".
In Europa arbeitet er mit Komponisten wie Hans Werner Henze und wird in der amerikanischen Zeitschrift "Down Beat" jahrelang zu einem der weltbesten Vibrafonisten gewählt. In Workshops führt er Kinder an die Improvisation heran und verbündet sich in den letzten Jahren mit jungen Musikern in seiner Jazz-HipHop-Band "Next Generation".
Gunter Hampels Kompositionen und seine Improvisationen sind tänzerisch leicht, schwebend und oft geradezu hypnotisierend. Sie sind modern und frei, atmen aber auch den Geist und das Gefühl früherer Jazzepochen.
Respekt vor der Geschichte
Hampel war nie ein Zerstörer, sondern hat den Jazz stets voller Respekt vor der Jazzgeschichte weiterentwickelt.
Seine Musik klingt europäisch, ist aber zugleich durch das Zusammenleben mit seiner Lebenspartnerin der Sängerin Jeanne Lee und anderen schwarzen Jazzkünstlern afroamerikanisch gefärbt.
In Gunter Hampel lebt das große Erbe der Jazzlegenden wie Louis Armstrong, Duke Ellington, Charlie Parker, John Coltrane oder Sun Ra fort. Sein hingebungsvolles Spiel ist zutiefst spirituell und voller positiver Kraft. Und jede seiner Improvisationen ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an den Jazz.
Udo Hinz
Goettinger Tageblatt, August 28, 2oo2
28.8.02 Göttinger Tageblatt
